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 Zweck des Vereins:

 

Die Kompanie will,

1. die aus der Verteidigungsorganisation der ehemaligen Klosterherrschaft
Benediktbeuern in Jahrhunderten gewachsene Tradition der Gebirgsschützen in
Kochel fortführen,

2. insbesondere das Gedächtnis an den von den Gebirgsschützen getragenen
Volksaufstand von 1705 pflegen und

3. sich aktiv zum heimatlichen Brauchtum und zum angestammten Glauben bekennen.

Der Kompaniezweck wird verwirklicht durch heimat- und brauchtumsverbundene
Veranstaltungen.


Die Gebirgsschützen in Kochel

Die Treue ist das heiligste Gut des menschlichen Herzens, sagt der römische Staatsmann und Philosoph Seneca. Und die Soldaten in der alten bayerischen Armee tragen den patriotisch - volkstümlichen Wahlspruch "In Treue fest" auf ihren Koppelschlössern. Treue war es immer wieder auch, die allzu oft die Bayern Chancen verpassen ließ. Aber die gleiche beharrende Treue zur gewohnten Ordnung und zum überkommenen Brauch, zum angestammten Glauben und zu ihrem Land, hat in eineinhalb Jahrtausenden einen stabilen Pfeiler des bayerischen Staatsgebäudes gegründet. Wesensechtes Zeugnis dieser Treue sind über die Jahrhunderte die Gebirgsschützen, die in der Kocheler Gegenwart als Historische Bauerngruppe bayerische Geschichte leben und erleben lassen.

   Die Wurzelfäden der Kocheler Gebirgsschützentradition greifen weit ins Mittelalter. Der früheste bekannte schriftliche Beleg datiert vom 17. Mai 1525. Die 1492 - 1498 angelegte (alte) Kesselbergstraße hatte nicht nur den Vorteil der kürzesten Straßenverbindung nach Italien gebracht, sondern das Klosterland Benediktbeuern den Gefahren unruhiger Zeiten geöffnet. So drohte sie schon kaum dreißig Jahre später die befürchtete Invasion des Klosterterritoriums von Tirol her durch aufständische Schwazer Bergknappen zu erleichtern. In seinem Brief vom 17. Mai 1525 an Herzog Ludwig X. berichtet der Benediktbeurer Abt Matthäus Reuchlin über seine Maßnahmen zur Grenzsicherung im Walchenseegebiet, für die über Monate hinweg eine ausgesuchte Mannschaft wehrfähiger und gebirgstüchtiger Männer gesorgt hat. In Ihnen sehen wir die Vorläufer der später in der Landesdefension institutionalisierten Gebirgsschützen.

   Nachdem schon Herzog Albrecht V. 1559 eine Generalmusterung aller Landesuntertanen hatte vornehmen lassen, ruft sein Enkel Maximilian 1594 das Landesdefensionswerk ins Leben. Mit den sogenannten Landfahnen versucht er eine Reorganisation der bäuerlichen und bürgerlichen Landwehr. Jeden Sonntag nach dem Pfarrgottesdienst mußten die Männer mit der Pike (einem über 5 m langen Spieß) oder der Muskete üben, in Kochel vielleicht unter dem Befehl des "Hanns Zwerger von Kochl, Haubtmann in der Dritten Haubtmannschafft", den wir aus einer Musterungsliste von 1597 kennen.

   Und wenn der Leutnant Ludwig Ackermann am 21. September 1618 nach München berichtet, er habe mit den Ausgewählten von Benediktbeuern und Tölz die neue Einübung vorgenommen und sie hätten "sich also wohl angelassen, daß er sich neben anderen Fähndeln mit Gottes Hilfe zu bestehen getraue", dann bestätigt er uns die Existenz der Gebirgsschützenorganisation auch für unseren Raum. Der Einsatz dieser Gebirgsschützen zum Schutz der Heimat vor den eingefallenen Schweden und plündernden Horden des "eigenen" bayerischen und kaiserlichen Söldnerheeres, insbesondere die ständige Wache an der Loisach, ist uns aus den Jahren 1632 und 1633 verbürgt.

   Die nächste Nachricht über unsere Gebirgsschützen erreicht uns aus dem Jahr 1695. Kein Geringerer als Pater Karl Meichelbeck, der bayerische Mabillon, vermeldet uns: "Im gleichen Jahr (1695) begründete unser Abt die Bruderschaft der Jäger und übrigen Schützen." Damit wollte er uns kaum sagen, daß der Abt, Eliland II. Oettl von Benediktbeuern, eine Jäger- und Schützen-"Kompanie" neu errichtet habe. Denn unter Bruderschaften sind religiös oder sozial ausgerichtete Vereinigungen zu verstehen, wie sie im 17. Jahrhundert weit verbreitet waren. Wenn der Abt 1695 eine Bruderschaft der Jäger und Schützen begründet hat, so unterstreicht das aber neben der zahlenmäßigen Bedeutung und dem gesellschaftlichen Rang die religiöse Bindung der Gebirgsschützen bei uns um 1695.

   Der Spanische Erbfolgekrieg (1701 - 1714) brachte für das Klosterterritorium Benediktbeuern erhöhte Gefahren. Die Grenzen mußten gesichert werden. Abt Eliland II. Oettl läßt ab Januar 1703 mit Geschützen bestückte und ständig besetzte Stellungen an strategisch wichtigen Punkten einrichten, so an der Loisach und am Walchensee, und formiert alle waffen- und wehrfähigen Männer des Klostergebietes in straff militärischer Ordnung zu einer über 700 Mann starken Streitmacht. Sogar eine berittene Truppe und eine Artillerieabteilung werden aufgestellt. Commandant ist der Benediktbeurer Hofrichter Joseph Bernhart Wendtnschlegel, und Georg Gerold aus Kochel ist der Feldpfeiffer. Von der in 15 Corporalschaften gegliederten Truppe zu Fuß, zu je einem Corporal, zwei Gefreiten und etwa 25 Gemeinen waren die zwölfte mit dem Corporal Maurus Maurer von Ort und die dreizehnte mit dem Corporal Mathias Gerold in Kochel aufgestellt.

   1704 gerät Bayern unter österreichisch - kaiserliche Besatzung. Drückende Quartierlasten, überhöhte Abgaben und radikale Rekrutenaushebungen treiben die bedrängten Bayern in den Volksaufstand von 1705. Das organisatorische Gerüst dafür liefern die Gebirgsschützen. Am 19. Dezember 1705 ergeht der Aufruf an das Oberland, sich am 22. Dezember bewaffnet im Lager zu Schäftlarn einzufinden, dem auch der Landesdefensionscommandant Wendtnschlegel mit etwa 200 Mann Folge leistet. Die anderen bleiben zurück, um die Grenzen gegen Tirol zu decken. Die Volkserhebung endet vor Sendling in einer bitteren Niederlage. Sie ist aber überstrahlt vom verklärten Bild des nach der Überlieferung in heldenmütigem Kampf gefallenen Schmieds Balthes von Kochel, eines Gebirgsschützen, der zur bayerischen Staatslegende geworden ist.

   100 Jahre später ist wieder Krieg. Bayern steht auf der Seite Frankreichs gegen Österreich. Die bayerisch - tirolische Grenze ist ungedeckt. Da wird die alte Landesdefension zur Grenzsicherung aktiviert. Wiederholt sind Kochel und Kesselberg Operationsgebiet des bayerischen Militärs und der Gebirgsschützen. Nachdem den Tirolern schon im Mai 1809 Ausfälle nach Murnau und Kochel gelungen sind, stoßen sie am 17. Juli erneut mit über 1000 Mann gegen Kochel vor. Nach neunstündigem Kampf können sie zurückgeworfen werden. Aus dieser Zeit ist uns die älteste bekannte bildliche Darstellung von Gebirgsschützen in Kochel erhalten. Eine Schützenscheibe vom 11. Mai 1809 im Besitz der Kgl. privil. Hauptschützengesellschaft München 1406 schildert uns mit einem Vorposten auf dem Schelmbichl den letzten militärischen Einsatz unserer Gebirgsschützen, an den auch das Tiroler Kreuz auf dem Schelmbichl erinnert.

   Nachdem die Gebirgsschützen aus ihrem Verteidigungsauftrag mit der Waffe entlassen sind, bewahren sie ihre Tradition in sportlich ausgerichteten Schützengesellschaften und Veteranenvereinen, vor allem aber als Antlaßschützen (Fronleichnamsschützen) im Dienst der Kirche.

   Im Jahr 1900 existieren festgefügte Kompanien gerade noch in Benediktbeuern, Gaißach, Gmund, Lenggries und Wackersberg. Aber auch in Kochel sind die Gebirgsschützen da. In der Mitte ihres Dorfes errichten die Kocheler ihrem großen und berühmten Gebirgsschützen, dem Schmied Balthes, ein Denkmal. Am 27. Mai 1900 wird es feierlich enthüllt. Und am gleichen Tag erhält die von den gräflichen Familien Arco auf Valley und Arco von Zinneberg gestiftete Standarte den kirchlichen Segen, die bis 1974 den Kocheler Gebirgsschützen als Kompaniefahne dient. Am 8. Dezember 1905 schließlich formieren sich diese neu als "Historische Bauerngruppe Kochel".

   Wie die Kocheler Gebirgsschützen in einer gewandelten Welt zu einem neuen und nicht so leicht zu erschütternden Selbstverständnis finden, weist nichts so klar auf wie der Versammlungsbeschluß vom 2. Februar 1936, an der Fronleichnamsprozession teilzunehmen. In einer Zeit, in der unter dem kirchenfeindlichen Druck der Partei und des Staates die Prozessionen kleiner werden, treten Schützen wieder als Schützer ihres Glaubens und ihrer Kirche an.

   In Jahrhunderten gewachsen, sind die Gebirgsschützen Teil dessen geworden, was unser Bayernland für seine Bewohner wie für seine Gäste so lebens- und liebenswert macht. Und wer das Auftreten der Gebirgsschützen aufmerksam verfolgt, der wird hinter der in bunten Monturen und Waffen auftrumpfenden Freude an der Selbstdarstellung ihre Würde und geschichtliche Kraft erspüren. Rattelmüller meint, es stehe eine der wenigen bayerischen Traditionen dahinter, denen das Lebenslicht noch nicht ausgeblasen ist. So zählen wir zwar 2051 Gemeinden im Freistaat Bayern, aber nur in 46 davon finden wir wie in Kochel Gebirgsschützen, die heute in Treue dafür sorgen, daß dieses Licht auch in Zukunft nicht verlöscht!

Martin Haberfellner